Der häufigste Fehler bei der Supplementierung - Ignorieren von Supplement-Arzneimittel- und Supplement-Supplement-Interaktionen

Viele Menschen betrachten Nahrungsergänzungsmittel als völlig sichere Produkte, die beliebig miteinander und mit eingenommenen Arzneimitteln kombiniert werden können. Das ist einer der häufigsten und zugleich am meisten unterschätzten Fehler bei der Supplementierung.

Dass ein Präparat ohne Rezept erhältlich ist, bedeutet nicht, dass es für den Organismus ohne Wirkung bleibt. In Wirklichkeit beeinflussen viele in Supplements enthaltene Wirkstoffe den Arzneimittelstoffwechsel, die Aktivität biologischer Systeme sowie die Aufnahme von Nährstoffen und Pharmazeutika.

Interaktionen können zu einer Abschwächung der Arzneimittelwirkung, einer Verstärkung ihrer Nebenwirkungen, fehlender therapeutischer Wirksamkeit und in extremen Fällen sogar zu schweren gesundheitlichen Komplikationen und zum Tod führen.

Interaktionen lassen sich (in großer Vereinfachung) in drei Hauptebenen unterteilen:

1. Metabolische Interaktionen

Dabei handelt es sich um Interaktionen auf der Ebene des Stoffwechsels aktiver Substanzen - meist in der Leber. Eine Schlüsselrolle spielen hier Enzyme der Cytochrom-P450-Familie (CYP450), die für den Abbau einer enormen Zahl von Arzneimitteln und bioaktiven Substanzen verantwortlich sind.

Hemmt ein Supplement die Aktivität eines bestimmten Enzyms, wird ein Arzneimittel, das über denselben Weg metabolisiert wird, langsamer abgebaut. Dadurch kann sich seine Blutkonzentration auf Werte erhöhen, die unerwünschte Wirkungen oder sogar Toxizität auslösen.

Ein gutes Beispiel ist Berberin, das die Aktivität der Enzyme CYP2D6 und CYP3A4 hemmt. Wenn eine Person gleichzeitig Arzneimittel einnimmt, die über diese Wege metabolisiert werden, z. B. bestimmte Betablocker, kann sich deren Konzentration im Körper erhöhen. Die Folge kann eine übermäßige Senkung des Blutdrucks, Schwindel, Schwäche oder Herzrhythmusstörungen sein.

Weitere Beispiele:

  • Grapefruitsaft (oder Extrakt) hemmt die Isoform CYP3A4, was die Konzentration vieler kardiologischer, immunsuppressiver oder psychiatrischer Arzneimittel erhöhen kann.
  • Johanniskraut (Extrakt) wirkt umgekehrt und stimuliert die Aktivität bestimmter CYP450-Enzyme und des P-gp-Transporters (P-Glykoprotein), wodurch der Stoffwechsel vieler Arzneimittel beschleunigt wird. Dadurch kann es u. a. die Wirkung hormoneller Verhütungsmittel, antiepileptischer oder immunmodulierender Arzneimittel abschwächen.

In der Praxis bedeutet das, dass selbst erfolgreich geführte Pharmakotherapie durch ein scheinbar harmloses Supplement gestört werden kann.

2. Mechanistische Interaktionen

Auf dieser Ebene geht es nicht um den Stoffwechsel, sondern um den Wirkmechanismus der Substanzen selbst. Sie können ihre Effekte gegenseitig verstärken (Synergie) oder entgegengesetzt wirken (Antagonismus).

Gefährliche Synergie - das serotonerge System

Ein klassisches Beispiel ist die Kombination von Antidepressiva aus der Gruppe der SSRI, SNRI oder MAO-Hemmer mit Supplements, die den Serotoninspiegel im Gehirn beeinflussen.

Zu solchen Supplements gehören unter anderem:

  • Kanna (Sceletium tortuosum),
  • Johanniskraut,
  • 5-HTP,
  • SAMe (S-Adenosyl-L-Methionin),
  • in geringerem Maße auch einige Adaptogene und Pflanzenextrakte.

Jede dieser Substanzen erhöht die Aktivität des serotonergen Systems. Ihre Kombination mit Antidepressiva kann zu einer übermäßigen Stimulation der Serotoninrezeptoren und zur Entwicklung eines Serotoninsyndroms führen, das lebensbedrohlich ist.

Dasselbe gilt für ihre gegenseitige Kombination - z. B. Kanna + Johanniskraut (Extrakt) kann ebenfalls denselben negativen serotonergen Effekt verursachen.

Antagonismus - entgegengesetzte Wirkung

Ein weiteres Problem ist die Situation, in der ein Supplement dem Ziel der Therapie entgegenwirkt.

Ein Beispiel können Glukokortikosteroide sein, die als immunsuppressive Arzneimittel bei bestimmten Autoimmunerkrankungen oder nach Transplantationen eingesetzt werden. Ihre Aufgabe ist es, die Aktivität des Immunsystems zu schwächen.

Die gleichzeitige Anwendung immunstimulierender Substanzen wie Beta-Glucane kann den beabsichtigten therapeutischen Effekt teilweise aufheben. Obwohl die klinische Bedeutung von der konkreten Situation abhängt, ist dies ein Beispiel für eine Interaktion, die entgegen den Behandlungszielen wirken kann.

3. Absorptionsinteraktionen

Die dritte Ebene betrifft die Aufnahme von Substanzen aus dem Magen-Darm-Trakt.

Einige Supplements können Arzneimittel im Darmlumen binden oder den Kontakt mit der Schleimhaut erschweren und dadurch die Menge an Substanz verringern, die in den Blutkreislauf gelangt.

Gute Beispiele sind unter anderem:

  • Inulin
  • Guarkernmehl
  • Chitosan

Wenn sie gleichzeitig mit Arzneimitteln oder anderen Supplements (z. B. Mineralstoffen) eingenommen werden, können sie deren Absorption einschränken und die Wirksamkeit der Therapie verringern.

  • Auch Curcumin, das durch Hemmung der Gastrinfreisetzung (des Hormons, das den Magen zur Produktion von Salzsäure HCl anregt) - durch Erhöhung des Gesamt-pH-Werts des Magensafts - indirekt die Reduktion von Nicht-Häm-Eisen zu Häm-Eisen verringert und damit seine Aufnahme aus dem Magen-Darm-Trakt ins Blut erschwert.

Das Phänomen der Hemmung der Aufnahme aktiver Substanzen wirkt auch in die andere Richtung. Einige Arzneimittel oder pharmakologische Substanzen können die Aufnahme von Supplement-Inhaltsstoffen einschränken.

Beispiele:

  • Laktulose beschleunigt den Darmtransit und verringert potenziell die Kontaktzeit einiger Inhaltsstoffe mit der Darmschleimhaut,
  • Aktivkohle absorbiert zahlreiche im Magen-Darm-Trakt vorhandene Verbindungen, einschließlich aktiver Substanzen aus Supplements.

In der Folge kann es zu einer schwächeren Aufnahme von Pflanzenextrakten, Vitaminen oder anderen bioaktiven Bestandteilen kommen.

Zusammenfassung

Bei der Planung einer Supplementierung sollte man nicht nur auf die potenziellen Vorteile einzelner Inhaltsstoffe achten, sondern auch auf ihre gegenseitigen Interaktionen und den Einfluss auf eingenommene Arzneimittel.

Interaktionen können auf folgenden Ebenen auftreten:

  • Stoffwechsel (CYP450-Enzyme),
  • Wirkmechanismus (Synergie oder Antagonismus),
  • Aufnahme aus dem Magen-Darm-Trakt.

Das Ignorieren dieser Zusammenhänge kann dazu führen, dass die Supplementierung völlig unwirksam wird und die Pharmakotherapie nicht mehr wie vorgesehen wirkt.

Im besten Fall endet das mit einem Placeboeffekt und Geldverschwendung. Im schlimmsten Fall - mit Gesundheitsschäden, schweren Nebenwirkungen und sogar Lebensgefahr.

Deshalb sollte jede umfangreiche Supplementierung nicht nur hinsichtlich potenzieller Vorteile, sondern auch möglicher Interaktionen analysiert werden.

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