Supplement vs. Arzneimittel - dürfen Nahrungsergänzungsmittel wirken?

Häufig hört man, dass „ein Nahrungsergänzungsmittel keine nachgewiesene therapeutische Wirkung hat” und nur Arzneimittel wirken können. Das ist eine Vereinfachung, die nicht immer der Realität entspricht.

Nach der rechtlichen Definition ist ein Nahrungsergänzungsmittel kein Arzneimittel und darf nicht als Mittel zur Behandlung von Krankheiten beworben werden. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass die enthaltenen Substanzen biologisch inaktiv sind und keine solche Funktion haben.

In der Medizin entscheidet vor allem die API (Active Pharmaceutical Ingredient), also der Wirkstoff, über die Wirkung. Er bewirkt bestimmte physiologische und therapeutische Effekte.

Ein Supplement kann genau denselben Wirkstoff enthalten wie ein Arzneimittel. Wenn er in der richtigen Dosis, in der passenden chemischen Form und in einer Formulierung mit Stabilität und Bioverfügbarkeit vorliegt, ist es schwer zu behaupten, dass es „nicht wirkt”, wenn derselbe Inhaltsstoff in derselben Form in einem Arzneimittel enthalten ist. Beispiele

  • CDP-Cholin (Citicolin) als verschreibungspflichtiges Arzneimittel
  • Melatonin als OTC-Arzneimittel

sowie viele weitere Produkte wie Probiotika, Vitamin D3, Magnesium, Kalium, Omega-3-Fettsäuren oder verschiedene pflanzliche Extrakte.

Der entscheidende Unterschied zwischen Arzneimittel und Supplement betrifft meist nicht die Wirkung des Wirkstoffs selbst, sondern die Produktqualität.

Arzneimittel unterliegen strengen Produktionsanforderungen und Qualitätskontrollen. Der Hersteller muss die Übereinstimmung des Gehalts, die Produktstabilität und die Einhaltung bestimmter Normen nachweisen. Bei Supplements sind die Anforderungen in der Regel weniger streng. Oft besteht keine Pflicht, vorab zu bestätigen, dass der tatsächliche Gehalt der Wirkstoffe der Herstellerangabe entspricht. Deshalb kann die Qualität von Supplements sehr unterschiedlich sein.

Beim Kauf eines Arzneimittels haben wir mehr Vertrauen in Qualität, Reinheit und Gehaltsübereinstimmung. Das bedeutet jedoch nicht, dass jedes Supplement schlecht ist. Auf dem Markt gibt es viele ehrliche Hersteller, die hohe Kontrollstandards anwenden und die Gesundheit ihrer Kunden ernst nehmen.

Deshalb kann man nicht automatisch sagen, dass „ein Supplement nicht heilt”, wenn es genau dieselbe API in derselben Dosis, Form und Formulierung wie ein Arzneimittel enthält. Man kann jedoch sagen, dass ein Arzneimittel in der Regel die qualitativ sicherere Wahl ist.

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